Do as I do- mach`s mir nach

 

 

 

 

Do as I do

 

Eine wirklich schöne, ein wenig verrückte Beschäftigung fur Mensch und Hund.


Wenn der Hund das Prinzip verstanden hat, macht er alles nach, was sein Partner vormacht (natürlich im Rahmen seiner Möglichkeiten).
Dazu braucht es dann nur das eine Kommando - Do it!

 

 

Dies ist eine Trainingsform, die auf sozial-kognitiven Fähigkeiten aufbaut und auch zum Konzeptlernen gehört.

 

Hunde lernen, indem sie uns nachahmen

 

«Ich möchte dieses Buch allen Hunden und all jenen Besitzern widmen, die noch dieses Fünkchen Verrücktheit besitzen, das sie dazu treibt, immer wieder etwas Neues zu versuchen. Denn jede Entdeckung haben wir jemandemn zu verdanken, der den Mut hatte, etwas auszuprobieren!» Zitat von Claudia Fugazza aus dem Vorwort ihres Buches «Do As I Do».

 

«Do as I do» – «Mach’s mir nach» ist eine von Claudia Fugazza entwickelte Trainingsmethode, die auf den sozial-kognitiven Fähigkeiten, vor allem auf der der Nachahmung basiert und darauf aufbaut. Claudia Fugazza ist Ethologin (Verhaltensforscherin) im Team von Prof. Ádám Miklósi an der Eötvös Universität in Budapest, doziert an den Universitäten Padova und Pisa in Italien, führt in Como ihre eigene Hundeschule und ist Buchautorin.

Eines Tages stellte sie fest, dass ihre Hündin Siria durch Beobachten gelernt hatte, den Wasserhahn aufzudrehen. Claudia Fugazza war von Sirias Aktivität so begeistert, dass sie die Nachahmung als Forschungsthema wählte, daraus die «Do as I do»-Methode entwickelte und diese im Team Miklósi weiterführend erforscht.

 

Um etwas fast Unglaubliches vorweg zu nehmen: Die Forscher konnten bereits nachweisen, dass Hunde sogar 24 Stunden später noch in der Lage sind, das Vorgezeigte zu imitieren!

 

Doch zuerst begann Claudia Fugazza, in der Literatur nach sozialem Lernen bei Tieren zu suchen. Sie fand rasch heraus, dass man bis vor kurzem glaubte, Hunde seien nicht in der Lage, den Menschen nachzuahmen. Nichtsdestotrotz war diese Meinung bereits durch wenige Studien widerlegt. Es sollten allerdings noch einige Jahre verstreichen, bis 2006 die erste grundlegende wissenschaftliche Arbeit (1) zu «Do as I do» veröffentlicht wurde.

 

 

Doch was genau bedeutet «Do as I do»?

 

Das Lernen und Verhalten des Hundes, der Caniden und weiterer Lebewesen wird auf drei Ebenen erworben und gesteuert:

 

a) die genetische: Jagdverhalten, Mutterinstinkt usw.

 

b) die des Ausprobierens: Versuch und Irrtum (trial and error)

 

c) die der Nachahmung: Beobachten und Kopieren (do as I do)

 

Dazu ein praktisches Beispiel aus dem Leben eines Jungwolfs und seinen Erfahrungen mit einem Igel.

 

a) Genetisch: Er entdeckt einen Igel, das Jagdverhalten ist geweckt.

 

b) Ausprobieren: Er packt ihn, die Stacheln schmerzen, der Wolf lässt vom Igel ab.

 

c) Nachahmung: Eines Tages beobachtet der Jungwolf, wie ein älteres Rudelmitglied den Igel auf den Rücken dreht, tötet und frisst; er wird dieses Verhalten in Zukunft erfolgreich imitieren.

 

Die üblichen Trainingsmethoden basieren vorwiegend auf der Stufe b) Versuch und Irrtum. Der Hund imitiert wohl Seinesgleichen, aber selten uns – und noch seltener imitiert er uns auf das entsprechende Kommando hin. Und genau das lehren wir unsere Vierbeiner mit der «Do as I do»–Methode: uns zu imitieren.

 

Aus der Forschung

Forschungsergebnisse belegen, dass Hunde über ein geistiges Spiegelbild unseres menschlichen Verhaltens verfügen. Dafür verantwortlich sind die Spiegelneuronen. Das sind Nervenzellen, die unter anderem das Imitieren des Gegenübers und die Empathie steuern. Dass Hunde selbst in der Lage sind, vom Menschen gezeigte Handlungen zeitverzögert in Erinnerung zu behalten und mit hoher Trefferquote nachzuahmen, weist eindeutig auf ihr vorhandenes Langzeitgedächtnis hin.

Weiter wurde aufgezeigt, dass der Hund, sobald er das Kommando «do it» begriffen hat, viel schneller neue Handlungen erlernen kann. Die Grenzen der neu zu lernenden Handlungen setzt uns Menschen unser Körperbau; wir können dem Hund nur das vormachen, was er auch wirklich erkennen und folglich spiegeln kann.

 

Die etwas andere Kommunikation

Mit «Do as I do» nähern wir uns dem Hund in Richtung gemeinsamer angeborener Kommunikation. Das Lernen fällt ihm leichter, seine Neugierde auf Neues wächst und unsere gegenseitige Bindung vertieft sich dadurch auf kostbare Weise. Zum Aufbau des Trainings wird meist mit einfachen Übungen begonnen, später können komplexere Handlungen und Aktivitäten trainiert werden. Diese zusätzliche Art der Zusammenarbeit lässt einen, einmal entdeckt, nicht mehr los!

 

 

Wo «Do as I do» bereits Einzug gehalten hat

 

«Do as I do» findet Freunde in der sinnvollen Freizeitbeschäftigung. Noch wird die Methode vorwiegend als eine beidseitig lustvolle Beschäftigung drinnen, im Garten, während des Spaziergangs oder im Spezialtraining genutzt.

 

«Do as I do» findet Anklang im Therapie- und Hilfshundesegment. Ausbildende dieser Hunde verfolgen die Entwicklung mit wachsendem Interesse, denn bestimmte Handlungen können dem Hund via Imitationsmethode rascher und einfacher vermittelt werden. So wurde das letzte Seminar mit Claudia Fugazza in Bern unter anderem auch von Nicole Boyer, Hundeausbilderin bei Farah Dog (Ausbildung von Hilfshunden), besucht. Sie erklärt: «Ich will diese Arbeitsweise richtig kennen- und anwenden lernen, damit ich sie in der Ausbildung unserer Hunde gezielt einsetzen kann.»

 

In der Aktivierungstherapie für Menschen können Hundeführer mit dem Hund auf neue Arten tätig werden. Beispielsweise hält der kranke Mensch in der einen Hand eine kleine Glocke an einer Schnur und schlägt die Glocke mit der anderen Hand an. So wird dem Hund vorgemacht, wie man das Glöckchen zum Klingen bringt. Der Vierbeiner geht auf das Kommando «Do it» hin und klingelt ebenfalls. Die Begeisterung oder zumindest das Erstaunen ist garantiert. Die ersten Therapiehundehalter haben ihre Hunde zusätzlich in der «Do as I do»-Methode geschult. Sie erweitern so das Repertoire ihrer Einsätze bei Patienten mit spielerischen, überraschenden Handlungen.

 

In der Arbeit mit kynophobischen Kindern und Erwachsenen (Menschen mit Angst vor Hunden) öffnet «Do as I do» oft erste Türen, weil der angstauslösende Hund vom Patienten auf der sozialen Ebene wahrgenommen werden kann. Egal ob die ängstliche Person erst einmal bei den imitierten Handlungen zuschaut oder ob sie selber etwas vormacht, was der Hund anschliessend kopiert, der Aktivitäten imitierende Hund zaubert rasch ein Lächeln ins Gesicht des ängstlichen Menschen – damit ist der erste Schritt Richtung Angstabbau getan.

 

Auch im Desensibilisierungs-Training ängstlicher Hunde bewährt sich die Methode der Nachahmung. Während eine Hilfsperson den Hund an der Leine hält (sichert), macht der Hundehalter seinem Hund vor, wie man beispielsweise durch die Unterführung geht oder ins Auto steigt und lässt den Hund anschliessend, zuerst begleitet, kopieren. Vorausgesetzt der Hund kennt das Kommando «Do it», bestehen gute Chancen auf einen schrittweisen Abbau seiner Ängste. Während des Grundtrainings hat der Hund bereits viele andere Handlungen imitiert; es hat ihm Spass bereitet, er wurde belohnt und es ist ihm dabei nie etwas Negatives zugestossen ‒ das macht mutig.

 

 

Ausserdem ist es wieder einmal eine Beschäftigung, die auf Beziehung aufbaut und die ausschliesslich gemeinsam gemacht werden kann.

Ruhe und Konzentration werden spielerisch gefördert.

Es entsteht ein aktives, denkendes Mensch-Hund Team.

 

 

 

Ein Workshop dazu ist in Planung. Er wird einen Vormittag dauern.

 

 

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